von Carl J. Grabow

Am 15. Mai 1977 unterzeichnete die Vertreter der Vereine TSV Ellerbeck, Elmshorner SC, Wedeler TSV und VFL Pinneberg den Gründungsvertrag der S.G. ELBE. In nur 12 Punkten waren die wichtigsten Vereinbarungen zusammengefaßt. Man war sich darin einig, daß eine stärkere Reglementierung unnötig sei, da letztlich nur das gegenseitige Vertrauen die Zusammenarbeit gelingen lassen würde. Die sich schneller als erwartet einstellenden großen Erfolge bestätigten diese Einschätzung.

Der Landessportverband und der SHSV hatten die Möglichkeit, im Kreis Pinneberg ein Landerleistungszentrum einzurichten.Drei Vereine, der Elmshorner SC, der VFL Pinneberg und der Wedeler TSV, waren bereit, ihre besten Schwimmer gemeinsam unter dem Stützpunkttrainer Hans Georg Teichert trainnieren zu lassen. Aus Wedel waren es Barbara Grabow, Monika Detlefsen, Martina Kubioki und Thomas Egger, die die Trainingszeiten in Elmshorn, Pinneberg und Wedel wahrnehmen sollten.

Im Januar 1977 ging es los, und schon bald wurde unter den Aktiven die Frage diskutiert, ob es nicht möglich sei, wenn man schon zusammen trainiere, auch gemeinsam in einer Mannschaft zu starten.

Das für die damalige Zeit (1977/78) sehr zeitaufwendige und harte Training von 6-7x pro Woche hatte die Schwimmerinnen und Schwimmer des Landesstützpunktes Kreis Pinneberg zu einem Team zusammenwachsen lassen. Aus diesem Grund gefiel es ihnen nicht, daß sie bei den Staffeln gegeneinander antreten mußten. So blieb ihnen auch der große Erfolg mit Ausnahme des sensationellen Sieges der Wedeler Mädchen über 4x100 Freistil versagt. Sie begannen zu rechnen, und das Ergebnis überzeugte: Bei einem gemeinsamen Start würde die Damenmannschaft ganz vorne und die Herrenmannschaft auf dem zweiten oder dritten Platz in Schleswig-Holstein landen.

 

Mit ihrem Wunsch eine Startgemeinschaft zu Gründen rannten die Aktiven des Stützpunktes bei ihrem Trainer Hans-Georg Teichert und den Vorständen der Vereine offene Türen ein.

Ihnen war natürlich die positive Entwicklung seit Gründung des Landesstützpunktes auch nicht entgangen. Daher kam es schon zu Beginn des Jahres 1978 zu ernsthaften Gesprächen, diese führten rasch zu konkreten Ergebnissen. Etwas verzögert wurde die Bildung der SG nur kurz aus lokalpolitischem Grund: der Elmshorner SC mußte, bevor er freie Hand hatte, klären, ob der SV Flipper Elmshorn wieder mit ihm zusammengehen würde, er erhielt eine Absage.

Wie sollte "das Kind" aber heißen. Ein kurzer, neutraler Name wurde gesucht, der keinen Verein bevorzugte. Nach einigem Hin- und Her wurde der Name von Wolfram Brennecke auf einer Sitzung des Vorstandes der Wedeler Schwimmabteilung, auf der abschließend sehr eingehend die Vor- und Nachteile einer SG diskutiert wurden, wie nebenher gefunden.

"Nennen wir uns doch SG ELBE" – Dieser Name sagte allen zu und so konnte bald darauf der Antrag auf Bildung einer SG an den Schwimmwart des SHSV abgeschickt werden. Das war eigentlich nur eine Formsache, da die SG nicht kreisübergreifend war.

Überraschenderweise erhielten aber die vier Gründungsvereine, der TSV Ellerbek hatte sich noch angeschlossen, eine Einladung vom Landesschwimmwart Armin Bader zu einem Gespräch. Beredt versuchte er uns von unserem Vorhaben abzubringen. Die Gründung einer so starken SG würde dem Schwimmsport in Schleswig-Holstein schaden. Er übersah dabei, daß es seit Kriegsende in unserem Lande mit dem 1.Lübecker SV und dann mit dem SV Wiking Kiel immer dominierende Vereine gegeben hatte, und daß die SG ELBE vorerst noch nicht die unumstrittene Nr.1 sein würde. Wir hielten an unserem Vorhaben fest.

In den folgenden Jahren kam es einige Male zu Konflikten mit dem Landesschwimmwart, doch konnte sich die SG ELBE immer, zwei Mal sogar mit Hilfe des DSV-Schwimmwartes Rainer Wittmann, behaupten. Die ersten großen Erfolge noch im Gründungsjahr waren im Nachwuchsbereich der Gewinn des Nord-Ostsee-Pokals und in der offenen Klasse mehrere Staffellandesrekorde. Damals war es noch möglich nach Anmeldung beim Schwimmwart Rekorde im Alleingang zu schwimmen. Um auch die Schwimmer, die nicht im Landesleistungszentrum trainierten für kommende Aufgaben zu motivieren, nahmen wir als erstes die Rekorde über 10x100m in Angriff. Sowohl auf der 50m-Bahn als auch auf der 25m Bahn führte jeder versuch zum Erfolg. Die Geschäftsstelle des SHSV hatte alle Hände voll zu tun, um die vielen Rekordurkunden auszustellen.

In den nächsten Jahren führte der Weg der SG ELBE steil nach oben. Bald war sie in Schleswig-Holstein die unbestrittene Nr.1. Auch auf DSV-Ebene häuften sich die Erfolge und der Name "SG ELBE " bekam einen guten Klang. Als zum ersten mal der Pokal der DSV-Jugend für die beste Jugendarbeit gewonnen wurde, sagte ein hoher DSV-Funktionär: "Der weiße Fleck, der bisher auf der schwimmerischen Deutschlandkarte den Norden kennzeichnete, ist von der SG ELBE beseitigt worden".

Dieser Pokal wurde von der SG ELBE insgesamt dreimal gewonnen, das hat bisher kein anderer Verein (oder SG) geschafft.

Unsere Startgemeinschaft war auch die erste Gewinnerin des seitdem jährlich verliehenen "Grünen Bandes" der Dresdner Bank, der damit verbunden 10.000,- DM Scheck wurde in voller Höhe für unsere DMS-J Schwimmer ausgegeben.

Natürlich herrschte nicht immer Sonnenschein. Bei den Sitzungen der SG kam es schon manches mal zu heftigen Auseinandersetzungen. Der Grund lag meistens im nicht vollkommen überwundenen Vereinsegoismus.

Zu einer ersten Krise kam es, als der Elmshorner SC mit dem SV Flipper Elmshorn "Geheimverhandlungen" führte, mit dem Ziel aus der SG auszusteigen und mit Flipper zusammenzugehen. Die Partner der SG wurden erst nach dem Scheitern der Gespräche unterrichtet. Das letztlich immer alle Differenzen überwunden werden konnten und alle Entscheidungen einstimmig getroffen wurden, lag daran, daß alle Verantwortlichen nie das große gemeinsame Ziel, die Stärkung des Leistungssports, aus den Augen verloren.

Einige Zeit später trat der SV Flipper, nachdem er jahrelang im scharfen Gegensatz zur SG ELBE gestanden hatte, der Startgemeinschaft bei. Heute sind diese beiden Elmshorner Vereine unter dem Namen Schwimmzentrum vereint.

Alle Erfolge der vergangenen 20 Jahre können hier schon aus Platzgründen nicht aufgeführt werden, doch soll an dieser Stelle aus der Fülle der hervorragenden Leistungen bei Deutschen Mst., Deutschen Jahrgangsmst., DMS, DMS-J und Meisterschaften auf Norddeutscher und Landesebene die Erfolgsserie der 89er-Jungenmannschaft hervorgehoben werden:

Abwechselnd von Jahr zu Jahr ergänzt durch die 68er und 70er Jungen (es starten immer zwei Jahrgänge in einer Wertung), gewannen sie 5x die Deutsche Meisterschaft. Zu den Leistungsträgern gehörten aus der Wedeler Abteilung Axel Schneider, Jan Spohr und Sven Hackmann.

Neben den großen sportlichen Erfolgen darf aber auch die ehrenamtliche Arbeit, die diese erst möglich machten nicht unerwähnt bleiben. Was an logistischer Vorbereitung nötig ist , um mit über 170 Personen aus vier Vereinen nach Lübeck zum DMS-J Landesfinale oder mit 70 Aktiven und Betreuern nach Wiesbaden zum Bundesfinale zu fahren, kann nur richtig ermessen, wer diese Arbeit geleistet hat.

Ebensowenig können Außenstehende nachvollziehen, wieviel Zeit Trainer, Übungsleiter, Betreuer, Kampfrichter und Funktionäre aufbringen müssen, damit alle Aufgaben bewältigt werden können.

Zur Zeit befindet sich die SG ELBE, obwohl noch immer die Nr.1 in Schleswig-Holstein, in einem kleinen Leistungstief. Das hat verschiedene Gründe. Am stärksten wirkt sich wohl aus, daß es in unserer Gesellschaft immer schwieriger wird Kinder, Jugendliche und auch "Ehrenamtliche" zur Leistung zu motivieren. Man kann nur hoffen, daß bald ein Umdenken stattfindet.

 

 

 

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