Von Carl J. Grabow

In der Chronik des Schleswig-Holsteinischen Schwimmverbandes findet man unter dem Jahr 1969 den Eintrag: "Ein Silberstreifen am Horizont! Drei Schwimmhallen auf Landesebene wurden fertiggestellt und in Bad Schwartau, Elmshorn und Wedel der Öffentlichkeit übergeben."

Vierundzwanzig Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges begann sich endlich für die Schwimmer die Lage zu verbessern. Gleich nach Kriegsende standen in Schleswig-Holstein den Vereinen nur drei Kleinschwimmhallen in Itzehoe, Uetersen und in List auf Sylt zur Verfügung. Die wenigen Freibäder waren meistens in Flüs-se, Seen und Förden hineingebaut und nur wenige Wochen im Sommer nutzbar. In Kiel wurde sogar in einem Feuerlöschteich eine 33 1/3 m Bahn für Wettkämpfe hergerichtet.

Ab Mitte der Fünfziger Jahre wurden dann durch die Gemeinden mit Hilfe der Landesregierung mehr und mehr Hallenbäder in Auftrag gegeben. Etwas länger dauerte es in Wedel. Dafür wurde es dann aber ein preis-günstiges, sehr modernes Bad mit fünf 25m-Bahnen, finnischer Überlaufrinne, Sprungturm und Lehrschwimmbecken.

Die Eröffnungsfeier war für die Stadt ein wichtiges Ereignis. Es wurden die üblichen Reden gehalten, eine Kunstschwimmerin brillierte mit ihren Leistungen und der unvergessene "Klettermaxe" Armin Dahl sauste vom 5m-Turm in die Tiefe.

Unter den zahlreichen Zuschauern stand auch ein junger Lehrer, unser Wolfram. Besonders interessiert schaute er zu, als von den Wedeler Schulen einige Schüler "ihre Künste" zeigten. Der Nachholbedarf war unübersehbar. Hier musste etwas getan werden. Ein Verein bot die besten Möglichkeiten.

In den nächsten Tagen nahm er Kontakt zum Vorstand des Wedeler TSV auf. Zwar nannte der Hauptverein in seinem Briefkopf unter den aufgeführten Sportarten auch Schwimmen, eine Abteilung gab es aber nicht. Gelegentlich badete man in der Elbe und schwamm auch schon mal ein paar Züge.

Der Gründung einer Schwimmabteilung stand man aber sehr positiv gegenüber und wurde sich deshalb sehr schnell mit Wolfram einig. Ein Vorstandsmitglied übernahm vorab die organisatorischen Arbeiten und Wolfram wurde "der" Übungsleiter.

Verhandlungen mit dem Sportamt der Stadt verliefen positiv. Die neue Abteilung erhielt zwei Übungsstunden - Montag von 19.00 - 20.00 Uhr und Mittwoch von 18.00 - 19.00 Uhr. Am ersten Übungsabend erschienen, von einem Aufruf in der Zeitung angelockt, ca. 20 junge Aktive. Sie wurden vom 2. Vorsitzenden des Hauptvereins begrüßt und dann ging es auch gleich ins Wasser. Heute würden wir sagen, es wurde ein Quertraining durchgeführt. Wolfram stand auf einem der Startblöcke und gab seine Anweisungen. Seine Schützlinge, alle konnten sich über Wasser halten, schwammen hin und her. Es war die Stunde Null. ...

... In den nächsten Wochen und Monaten stieg die Zahl der Aktiven unaufhörlich an, die Leistungen wurden besser und Wolfram bekam als Alleinunterhalter langsam Probleme. Schließlich waren es 50 Schwimmer, die zu betreuen waren.

Doch Hilfe nahte. Es kamen Übungsleiter dazu, unter ihnen Frau und Herr Lochner, heute Uetersen. Eine Abteilungsleiterin, Kerstin Meyn, wurde gewählt und als dann noch ein erfahrener Student aus Göttingen – Jörg von Fehn – (leider blieb er nur für ein Semester) zur Truppe stieß, ging es schnell aufwärts. Die Aktiven wurden nach Alter und Leistung in Gruppen eingeteilt, es wurde jetzt in Bahnen trainiert und bald auch die ersten Wettkämpfe besucht.

Die Abteilung hatte sich dem Hamburger Schwimmverband angeschlossen. Die räumliche Nähe bot einige Vorteile, so konnte man zu den Wettkämpfen preiswert mit der S-Bahn fahren. Eine enge Verbindung bestand zum S.C. Delphin Hamburg, in dem Wolfram Mitglied war. So leitete Jürgen Blan, ein Top-Mann, auch mal das Training in Wedel, was besonders auch für die Übungsleiter wichtig war, denn für sie galt es ja auch noch zu lernen.

Am meisten in der Halle war zu dieser Zeit Wolfram. Er war auch noch Mitglied in der DLRG und er leitete das Schwimmen der Polizei und Feuerwehr.

Der Aufschwung setzte sich auch im Jahr 1972 fort. Er war eng verknüpft mit einem neuen Namen. Armin Bader kam aus Hannover nach Wedel und trat eine Stellung bei der AEG an. Die Abteilung hatte einen neuen Übungsleiter und bald auch einen neuen Abteilungsleiter. Die Arbeit wurde intensiviert. Die Zahl der Mitglieder lag nun schon weit über hundert und auch immer mehr Mitarbeiter waren tätig. Unter ihnen, um nur einige Namen zu nennen, Reinhild Bobzin, Hannelore Einnolf, Bärbel Erdmann, Heike Richters und Uwe Egger.

Die Zusammenarbeit mit den Schulen war gut. Besonders die Lehrerin Frau Schmolke, sie leitete bis 1974 auch die TF-Gruppe, und der Lehrer Schoen schickten oft talentierte Schüler.

Im Jahr 1973 wurden weitere Aus- und Fortbildungsmaßnahmen angeboten. Jürgen Blan kam wieder nach Wedel und leitete unter anderem einen Gymnastik-Lehrgang in der Rosengartenhalle. Auch der Kontakt zu den Schleswig-Holsteinischen Schwimmvereinen wurde enger. Wolfram und Armin besuchten eine Fortbildung in Elmshorn und erwarben noch im selben Jahr ihre Trainer-Lizenz in Hamburg.

Im Jahr 1969 war es dem SHSV gelungen, einen Landestrainer, Dr. E. Hlinak, einzustellen. Seine Arbeit machte sich jetzt sehr positiv bemerkbar. Außerdem wurde die Verantwortung für die TF-Gruppen 1973 von den Schulen auf die Vereine übertragen, und diese Talentförderungsgruppen wurden vom Landessportverband finanziell gefördert. In Schleswig-Holstein ging es aufwärts, während in Hamburg der Schwimmsport eher stagnierte. Diese Gründe veranlassten die Verantwortlichen der Abteilung, vom Hamburger Schwimmverband zum SHSV zu wechseln, ein Entschluss, der sich in der Folgezeit als mehr als richtig erweisen sollte.

Obwohl zu dieser Zeit aus heutiger Sicht die Trainingsmöglichkeiten sehr schlecht waren, dem Verein stand die Halle am Montag und Mittwoch jeweils nur eine Stunde zur Verfügung, hinzukamen am Mittwoch, Donnerstag und Freitag auch für eine Stunde eine Bahn für die Talentförderungsgruppe, stellten sich die ersten kleinen Erfolge ein.

Heiner Richters (Jg. 56) wurde der erste Wedeler Jahrgangsmeister. Er siegte über 100 m Delphin (die Bezeichnung Schmetterling wurde erst später eingeführt) in 1:19,4 Minuten. Gute Plazierungen waren u.a. mit den Namen Annett Fahrenkrug, Bettina Ohle, Michael Ebsen und Martin Ludwichowski verbunden. Martin war auch der erste, der eine Kaderzeit schwamm und zu einem Lehrgang nach Malente eingeladen wurde.

Sehr vielversprechend war der Nachwuchs. Unter den acht- bis elfjährigen Mädchen befanden sich so hochkarätige Talente, dass sich der Abteilungsleiter Armin Bader im kleinen Kreis die Frage stellte, ob die Fähigkeiten der Übungsleiter und die Trainingszeiten ausreichen würden, sie adäquat zu fördern. Seine Befürchtungen waren, wie sich bald herausstellen sollte, nicht zutreffend.

Wer zu diesem Zeitpunkt in die Abteilung eintreten wollte, hatte es sehr schwer. Da alle Trainingsgruppen überfüllt waren, herrschte strikte Aufnahmesperre. Ausnahmen wurden nur selten gemacht. Man musste schon so hartnäckig wie meine Frau sein, die Armin wochenlang bedrängte, um ein Probetraining zu erlangen. Als dieses positiv verlief, dauerte es abermals ein paar Wochen, bis unsere älteste Tochter aufgenommen wurde. Bei ihren Geschwistern ging es dann aber sehr viel schneller.

Der Wedeler Nachwuchs schlug zum ersten Mal richtig beim Nord-Ostsee-Pokal zu. In diesem Wettkampf, vom Landestrainer initiiert, durften damals alle Jahrgänge teilnehmen. Die Finalkämpfe fanden zweimal jährlich statt. Schon bei den ersten beiden Teilnahmen sprangen gute Platzierungen und Siege heraus. Doch dann ging es erst richtig los. Bereits 1974 wurde in der Gesamtwertung ein zweiter Platz und in den Jahren 1975 und 1976 jeweils der erste Platz erreicht.

Ich werde nie vergessen, wie ich noch 1973, als wir hinter den Pinnebergern den 9. Platz belegt hatten, von diesen schallend ausgelacht wurden, als ich ihnen vorhersagte, dass wir sie das nächste Mal überholen würden. Wer zuletzt lacht ...! Wie war es zu dieser Leistungssteigerung gekommen, die bei den Vereinen in Schleswig-Holstein Überraschung auslöste ? Dazu beigetragen hatten sicher zwei Faktoren, das Training war verbessert worden, Armin schrieb zeitweise für die meisten Gruppen die Programme, und die Abteilung hatte am Dienstag zwei Stunden in der Turnhalle im Autal zugeteilt bekommen.

Das Trockentraining wurde von Wolfram geleitet und fand starken Zuspruch. Beim Zirkeltraining wurde mancher Tropfen Schweiß vergossen. Trotzdem waren bei den abschließenden Spielen - Volleyball, Basketball und Völkerball - alle mit vollem Einsatz bei der Sache.

Herzstück unserer Wettkampfmannschaft waren zweifellos drei Mädchen, die schon bald ihre Jahrgänge in Schleswig-Holstein dominierten. Martina Kubicki (64), Monika Dethlefsen (64) und Barbara Grabow (63) waren immer für Siege gut. Um sie herum bildeten ein starkes Team: Margret Schwill, Christiane Grabow, Susanne Blunk, Frauke Heinzel, Britta Heinsohn, Claudia Dethlefsen, Julia Rabel, Kerstin Kuhrt und Andrea Polusch, um nur einige zu nennen. Leider kann ich aus Platzgründen nicht alle aufzählen.

Ein immer gern gesehener Gast in Wedel war der Landestrainer Dr. Hlinak. Ihm hatten es besonders unsere noch jüngeren Schwimmer, die in einer Gruppe zusammengefasst von Hannelore Einnolf trainiert wurden, angetan. Auch hier kann ich nur einige wenige Namen erwähnen: Birgit Thies, Anja Steinemann, Britta Grabow, Karoline Klapp, Hilke Weichert, Kai Schierwater, Hartmut Windels, Michael Kubicki, Detlef Albrecht und Ulrich Grabow versprachen viel für die Zukunft. Noch heute schwärmt Dr. Hlinak von dieser Truppe und vor allem von der Arbeit ihrer Übungsleiterin.

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